Das Zimmer am Ende des Flurs

Ein Paar bucht das letzte Zimmer eines alten Hotels, damit es lauter und härter sein kann als in der hellhörigen Wohnung zu Hause.

Das Hotel war früher einmal für Handelsreisende gebaut worden und benahm sich noch immer so. Langer Teppich, ein seufzender Aufzug, eine Eismaschine gegenüber von Zimmer 118. Freya hatte 120 gebucht, weil der Plan zeigte, dass es ganz am Ende des Flurs lag: nur ein Nachbar und eine Brandschutztür zwischen ihnen und dem Treppenhaus. Ellis trug die Tasche. Sie hatten nicht für ein Wochenende gepackt, sondern für eine Nacht, die in ihrer hellhörigen Wohnung nicht funktionierte.

Im Auto hatten sie die Grenzen noch einmal ausgesprochen, weil Freya sie kurz vor dem Tun hören wollte. Sie war siebenunddreißig, er neununddreißig. Härte war willkommen. Spuren an ihrem Hintern waren okay, im Gesicht nicht. Haare ziehen nur, wenn er sie vorher zusammenfasste. Festhalten war erlaubt. Würgen nicht. Rot stoppte alles. Gelb bedeutete: ändere, was du gerade tust. Sie sagte zweimal, was sie ausdrücklich wollte, damit er im entscheidenden Moment nicht aus falscher Rücksicht plötzlich die Regeln änderte.

Die Schlüsselkarte versagte einmal. Das grüne Licht fühlte sich wie eine kleine Erlaubnis an. Das Zimmer war braun, sauber und zu warm. Freya stellte die Heizung ab und sah auf den halbleeren Parkplatz. Ellis schloss Tür und Kette und sah sie an. „Gilt die Liste?“ „Die Liste gilt. Ich will, dass du nachfragst. Ich will nicht, dass du höflich bist.“

Er küsste sie hart genug, dass sie gegen den Schrank stieß. Der Spiegel klapperte. Freya lachte in seinen Mund und hörte auf zu lachen, als er sie umdrehte und über die niedrige Kommode beugte. Der erste Schlag überraschte einen Laut aus ihr, die nächsten waren bewusst gesetzt. Ellis prüfte ihre Reaktion. „Farbe.“ „Grün. Härter.“

Danach bekam die Nacht genau den Rhythmus, für den sie hergekommen waren: keine Nachbarin hinter einer dünnen Wand, kein reflexhaftes Leiserwerden, keine Entschuldigung für ein klopfendes Möbelstück. Ellis hielt sich an die vereinbarten Grenzen und fragte wieder nach, wenn Freyas Körper anders reagierte als zuvor. Sie antwortete jedes Mal deutlich.

Die Eismaschine sprang draußen an. Beide mussten lachen, atemlos, und gerade diese Albernheit machte die Szene realer. Das Hotel war kein Fantasieschloss, sondern ein müdes Gebäude mit schlechtem Teppich und einem mechanischen Geräusch im Flur. Trotzdem gab ihnen Zimmer 120 etwas, das ihre Wohnung nicht konnte: Platz, laut zu sein.

Als sie später nebeneinander lagen, hörten sie die Maschine ihren Zyklus beenden. Ellis holte Wasser aus dem Bad. Freya stand auf, das Kleid halb angezogen, und sagte: „Noch einmal, bevor wir schlafen. Langsamer, wenn nötig. Die Türkette bleibt drin. Und morgen Frühstück, als wäre nichts passiert.“ Ellis nickte. „Gelb, wenn sich irgendetwas falsch anfühlt.“ „Einverstanden.“

Sie machten weiter, weniger heftig und nicht weniger bewusst. Die Regeln blieben dieselben. Danach duschten sie schlecht in der engen Kabine und schliefen zum Geräusch der Eismaschine ein, als wäre sie eine Uhr.

Am Morgen war der Flur voller Kofferrollen und einer Familie, die leise über den Aufzug stritt. Freya ging in ihrem Kleid vom Vorabend neben Ellis den langen Gang entlang. Beide sahen vollkommen gewöhnlich aus. An der Brandschutztür berührte sie sein Handgelenk. „Dasselbe Zimmer nächsten Monat, wenn es frei ist.“ „Am Ende des Flurs“, sagte er. „Sonst funktioniert es nicht.“

Auf halber Treppe kam ihnen ein Hotelmitarbeiter mit einem Tablett entgegen und nickte, als wären sie irgendein Paar, das zu spät auscheckte. Draußen blieb Freya am Auto stehen. „Ich will nicht, dass das hier der einzige Ort wird, an dem wir ehrlich sind.“ Ellis warf die Tasche auf den Rücksitz. „Wird es nicht. Hier können wir lauter sein. Die Liste kann auch zu Hause gelten.“

Freya stieg ein. Das Hotel stand im Tageslicht hinter ihnen, völlig gewöhnlich. „Nächsten Monat also. Gleiche Grenzen. Buch es, bevor ich vernünftig werde.“ Ellis grinste. „Ich denke schon an die Schlüsselkarte.“ Dann fuhr er in den Verkehr.

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