Die Regeln für Samstag
Ein gemeinsam geplanter Samstag unter ihren Regeln: was er trägt, wo er sitzt, wann er spricht und wie beide jederzeit abbrechen können.
Sie schrieben die Regeln am Donnerstag am Küchentisch auf, bei geschlossenem Laptop und mit dem guten Stift. Helen las sie noch einmal vor. Callum setzte hinter jede Zeile seine Initialen. Er war einundvierzig, sie neununddreißig. Sie waren seit sechs Jahren zusammen, und die Idee für diesen Samstag war ursprünglich seine gewesen, bevor sie zu ihrer wurde. Das war beiden wichtig.
Von neun bis vier bestimmte sie, was er trug, wo er saß, wann er sprach und was seine Hände taten. Mit dem Wort Rot konnte er den Tag jederzeit beenden. Auch sie konnte aus jedem Grund aufhören, ohne Enttäuschung spielen zu müssen. Keine Gäste. Keine Fotos. Mittagessen fand statt. Grausamkeit nicht. Um vier endeten die Regeln, egal wo sie gerade waren, und danach würden sie etwas Alltägliches essen und laut sagen, dass der Tag vorbei war.
Am Samstag wachte er vor ihr auf und blieb liegen, schon erregt und ein wenig genervt von sich selbst. Die Liste lag unter ihrer Uhr auf der Kommode. Als Helen aus der Dusche kam, küsste sie ihn nicht zur Begrüßung. Sie legte seine Kleidung aufs Bett: das graue T-Shirt, in dem er schlief, nichts darunter, dazu die schmale Ledermanschette fürs linke Handgelenk. Ein Halsband fühlte sich für ihn noch wie Verkleidung an. Die Manschette nicht.
„Zieh das an. Knie dich neben den Tisch. Hände auf die Oberschenkel. Du darfst mich ansehen. Du sprichst nur, wenn ich dich frage oder wenn du Rot brauchst.“ „Ja.“ Helen sah ihn an. „Das war deine letzte freie Antwort. Los.“
Die Wohnung war hell. Unten übte jemand Tonleitern. Callum kniete auf dem Teppich, fühlte sich drei Minuten lang lächerlich und dann, schlimmer noch, überhaupt nicht mehr. Helen machte Kaffee, bot ihm keinen an, setzte sich, trank, las eine Seite Zeitung und sah ihn erst danach an, als hätte sie sich gerade an ihn erinnert. „Farbe.“ „Grün.“ „Gut. Bleib.“
Sie beantwortete eine E-Mail und aß Toast. Die Manschette wurde warm. Seine Knie begannen zu protestieren, doch er bewegte sie nicht. Gerade dieses Nichtbewegen traf ihn tiefer als ihre Stimme. Als sie schließlich ein Kissen hinlegte und ihm erlaubte, es zu benutzen, war die Erleichterung so stark, dass ihm ein Laut entwich. „Zu viel?“ „Nein. Ich hätte nicht gedacht, dass das Sitzen der Punkt sein würde.“ „Merken. Wieder still.“
Sie ließ ihn die Spülmaschine einräumen und am Waschbecken stehen, während sie eine Pfanne selbst abwusch. Ganz normale Arbeit, nur dass er auf die nächste Anweisung wartete, bevor er sich die Hände abtrocknete. Bis Mittag war seine Erregung zweimal gekommen und gegangen, ohne dass sie ihn berührt hatte. Helen bemerkte es und sagte nichts. Das machte es schlimmer.
Sie setzte ihn in den Sessel, der an jedem anderen Tag seiner war. „Lies mir vor“, sagte sie und gab ihm den Roman vom Beistelltisch. „Ab dem Lesezeichen. Hör auf, wenn ich es sage.“ Seine Stimme schwankte im ersten Absatz und wurde im dritten ruhig. Sie legte die Füße in seinen Schoß, nicht zärtlich, sondern besitzergreifend. Mitten auf der Seite drückte ihre Ferse leicht gegen seine Erregung. Er verlor die Zeile. „Eine Zeile zurück.“
Er fand sie wieder. Sie ließ den Druck beiläufig bestehen, während er las. Als sie „Stopp“ sagte, brach er mitten im Satz ab. Der unfertige Satz blieb ihm im Mund hängen. Da verstand er, was sie am Donnerstag mit gewöhnlichen Entscheidungen gemeint hatte. Es ging kaum um Schmerz. Es ging darum, nicht entscheiden zu dürfen, ob ein Satz zu Ende gesprochen wurde.
Nach dem Mittagessen, das er auf dem Kissen aß, weil sie es so wollte, nahm sie ihn mit ins Schlafzimmer. Die Regelkarte kam mit. Sie ließ ihn am Fußende stehen, ohne Shirt, die Manschette noch am Handgelenk. „Für diesen Teil darfst du sprechen. Was willst du?“ „Dass du es mir sagst.“ „Genauer.“ Er sagte ihr, dass er dort bleiben wollte, wo sie ihn platzierte, und erst kommen wollte, wenn sie es erlaubte. „Einverstanden. Rot gilt weiterhin.“
Sie führte ihn genau so, wie sie es vorher vereinbart hatten. Jede Berührung, jede Pause und jede Korrektur gehörte ihr, solange seine Antwort Grün blieb. Wenn er instinktiv nach ihr griff, legte sie seine Hand zurück. „Halten.“ Er hielt. Erst als sie selbst bereit war, beugte sie sich zu ihm und gab ihm die Erlaubnis. Die Anweisung traf ihn fast so stark wie ihr Körper.
Um vier machte Helen Tee und legte seine Jeans auf den Stuhl. Callum zog sich an. Seine Knie schmerzten. Die Wohnung klang wieder normal. Sie setzte sich ihm gegenüber. „Der Tag ist vorbei“, sagte sie. „Der Tag ist vorbei.“ Er drehte die Tasse einmal. „Ich dachte, der Sex wäre der Punkt. Es war das Nichtentscheiden. Wo ich sitze. Ob ein Satz endet. Damit habe ich nicht gerechnet.“
Helen nickte, nicht triumphierend, sondern aufmerksam. „Am Donnerstag können wir die Liste ändern. Oder wir lassen sie.“ Callum dachte kurz nach. „Lass die Regel mit dem Sprechen drin. Die will ich wieder.“ Sie schrieb es auf, bevor einer von beiden einen Witz daraus machen konnte.